Dienstag, 13. September 2011

Doors (Teil 3: Zusammenkunft / Kapitel 1: Schwarz)



Teil 3: Zusammenkunft

Kapitel 1: Schwarz

Die schwarze Tür schliesst sich hinter Milli und er steht ganz im Schwarz. Anders kann man es nicht ausdrücken. Es ist nicht nur dunkel, es ist nicht nur das fehlen von Licht. Es ist als ob er irgendwo ist, wo nie, auch nur eine Quante Licht gewesen war, wo nie, auch nur eine Quante Licht sein konnte. Es ist einfach nur pures Schwarz.
Man kann nicht mal genau sagen ob er in einem Raum steht, nicht mal sagen ob er überhaupt steht. Er ist einfach vorhanden und um ihn herum das Nichts, um ihn herum tiefes Schwarz.
Er versucht seine Augen an die Dunkelheit zu gewöhnen um wenigstens etwas erkennen zu können. Doch je mehr er sich anstrengt desto dunkler wird es um ihn herum, desto schwärzer wird es, als ob es da keine Grenze des Schwarzes gäbe.
Dann versucht er etwas zu riechen, etwas zu hören….doch es ist fast so als ob ihn sein Riechorgan mitsamt der Ohrmuschel und dessen Hörschnecke darin, einfach den Dienst verweigern.
Er dreht sich langsam, um sich selbst und versucht rauszufinden aus welcher Richtung er gekommen ist. Doch seine Orientierung ist genauso wie seine anderen Sinne Schachmatt gesetzt. Er weiss nicht mal genau wo Oben und Unten ist. Er glaubt zwar, dass er auf etwas steht, kann aber dennoch den Boden unter seinen Füssen nicht spüren. Als ob er gerade schwebt. Nur fühlt es sich nicht wie schweben an! Eher wie ein stehen in der Schwebe.
Langsam macht sich tiefe Angst in Milli breit. Eine Angst die langsam und zähflüssig aus seinem Innern empor strömt. Eine Angst die immer stärker und stärker wird!

Auf einmal hat er das Gefühl, das jemand direkt vor ihm steht. Er kann ihn nicht sehen! Hier kann man nicht mal die Hand vor Augen sehen, selbst wenn sie leuchten würde. Das Schwarz würde jegliches Licht sofort verschlucken, davon ist Milli überzeugt. Dennoch glaubt er zu spüren, dass genau in diesem Moment jemand oder etwas vor ihm steht. Kurz glaubt er ein leises atmen zu hören, vielleicht einen kleinen Hauch zu spüren. Doch es könnte auch Einbildung sein. Er ist sich nicht sicher.
Er fragt sich: „Wenn ich nun meine Hand ausstrecke, würde ich dann ins Leere greifen oder würde ich jemanden berühren?“.
Er widersteht diesem Drang und versucht sich zusammen zu reissen. Da ist bestimmt niemand vor ihm, da ist er sich eigentlich ganz sicher. Dennoch hat er dieses Gefühl. Genauso wie man manchmal spürt wenn jemand hinter einem steht.

Dann wird dieses Gefühl intensiver! Gerade fühlt es sich so an, als ob dieser jemand nicht weiter als 10cm vor ihm steht und ihn betrachtet. Auf ein Neues glaubt Milli leises Atmen und einen leichten Hauch zu spüren. Seine Nackenhaare stellen sich auf und eisiger Schauer läuft sein Rückrad hinunter. Dennoch hat er nicht den Mut seine Hand auszustrecken um zu erfahren ob ihn sein Gefühl täuscht oder nicht.

Nein, da ist niemand, ich bin mir ganz sicher, ich bilde mir das nur ein, sagt er zu sich selbst. Er hat mal von einer Foltermethode gehört, bei der man die Leute in ganz dunkle Räume ohne jegliche Geräusche gesteckt hat. Nach einer Weile fängt das Gehirn von selbst an sich Sachen einzubilden weil es zuwenig Informationen bekommt, aber dennoch arbeiten will. Das muss es sein! Ich beginne zu halluzinieren, denkt er sich.
Na gut kein Problem, dann strecke ich einfach meine Hand aus und werde sehen, dass da niemand ist. Doch was macht er wenn er dennoch jemanden berührt?
Soll er schreien? Hier hört ihn sowieso niemand, sehr wahrscheinlich würde er sich selbst nicht hören. Oder einen Herzinfarkt bekommen? Cool, dann ist das ganze auch vorbei. Vielleicht wegrennen? Ja ja, nur wohin? Wie wär’s mit: in die Hose pinkeln? Haha, easy, wo kein richtiger Boden zu spüren ist, kann man es ja ruhig sausen lassen.
Bei diesem Gedanken deutet sich ein leichtes Lächeln in Millis Mundwinkeln an und seine Angst weicht ein wenig. Auch das Gefühl, dass jemand vor ihm steht ist schon fast wieder verschwunden.

Ohne lange zu überlegen, fast Milli Mut und streckt seine Hand aus. Er streckt seine Hand aus und…berührt ein Gesicht!




...Kapitel 2: Das grosse Palaver...
...coming soon...

Doors (Einleitung Teil 3)



Doors (Einleitung Teil 3)

I found an island in your arms
Country in your eyes
Arms that chain us
Eyes that lie
Break on through to the other side
Break on through to the other side

(The Doors - Break On Through)



Es war einmal ein Mann über einem Abgrund tief
Und es war mal ein Abgrund in einem Mann, der ihn zu sich rief
Doch der Mann widerstand dem Gerufenen
Er verstand den Sinn des Lebens und dessen Stufen

Er lernte aus seinen Schmerzen und seinem Leid
Verdrängte sie nicht im Herzen sondern verband sie zur Einheit
Das gab ihm die Kraft alles weitere mit einem Lächeln durchzustehen
Die Kraft, das Leben zu schätzen, es neu zu begehen

Doch als er den Schritt zurück wagte
Er stolperte und versagte
Er fiel dem Abgrund entgegen
Konnte sich nicht mehr zurück bewegen

Der Abgrund kam immer näher herbei
Und sein Leben zog an ihm vorbei
Es wahr Schicksal niemand hatte Schuld
Er sah eine Tür und schrie aus vollem Mund

Er akzeptierte sein Schicksal ganz und gar
Zufrieden und abgeschlossen es nun war
Sein Leben nahm wieder eine Wende
Es war ein neuer Anfang und dennoch das Ende

…und das Ende war nur der Anfang, der Anfang nur eine Tür
Die Erste seiner Art, die letzte Tür…

Freitag, 24. Juni 2011

Doors (Teil 2 / Kapitel 7: Die schwarze Tür)




Kapitel 7: Die schwarze Tür

Danen verlässt gerade die seltsame Wohnung mit den gelben Vorhängen. In dem Moment als er durch die Tür mit diesem vorkriegszeitlichem Vierfachstufenschloss, in den Gang schreitet, kommt seine Erinnerung Stück für Stück zurück. Er weiss jetzt wieder wer er ist. Er erinnert sich an seine Eltern, an seine Kindheit und weiss endlich wieso es ihm so schlecht geht. Er ist ein Junkie! Scheisse aber auch, er ist auf Entzug! Deshalb diese Schmerzen und dieses Verlangen in seinem Kopf.
Was er sich aber immer noch nicht erklären kann ist, wie er in diese Wohnung gekommen ist.

Im Gang fällt ihm auf, dass es sonst keine Türen gibt, ausser die aus welcher er gerade gekommen ist! Er nimmt die Treppe am Ende des Ganges und geht einen Stock tiefer. Aber auch hier gibt es keine Türen! Das kann doch nicht sein?! Er ist doch in einem Haus, da muss es doch noch weitere Wohnungen geben.
Er geht Stock für Stock nach unten durch leere Gänge ohne Türen oder Fenstern. Nur leere graue Wände und am Ende jedes Ganges die Treppe.
Je tiefer er nach unten kommt, desto besser geht es ihm. Erstaunlich, aber nach ungefähr 5 Stockwerken, hat er fast keine Entzugserscheinungen mehr.
Hä? 5 Stockwerke? Er hätte schwören können, dass sich die Wohnung im zweiten, höchstens im dritten Stock befunden hat.Dennoch geht er weiter nach unten, was bleibt ihm schon anderes übrig!
Da seine Schmerzen nun weg sind, aber sich an ihrer Stelle Angst breit macht, wird er immer schneller und schneller. Acht Stockwerke, 9...10....15.....es wird immer dunkler und dunkler. Irgendwann hört er auf zu zählen und rennt nur noch durch diese leeren Gänge und stolpert die Treppen nach unten.
Als er endlich unten angekommen ist, steht er vor einer robusten schwarze Tür. Diese Tür macht ihm Angst und er möchte nicht hindurchgehen, aber er hat keine andere Wahl! Zurück in die Wohnung möchte er noch viel weniger. Auf der Tür steht ein Name, sein Name: Danen! Er öffnet langsam die Tür und geht hindurch.



Zur selben Zeit als Dan in der Tür verschwindet, geht im Haus gegenüber das Licht an. Draussen ist es noch dunkel und der Mond scheint auf die Hollywoodschaukel, als Ana auf dem Balkon erscheint. Sie hat kein gutes Gefühl! Milli ist nicht mehr da und sie macht sich Sorgen.
Als sie nach Rechts schaut erkennt sie im schwachen Mondlicht, auf dem Balkon nebenan eine leere Wäscheleine! Das ist seltsam! Die Wohnung ist doch schon seit Jahren verlassen, woher kommt diese Wäscheleine auf einmal??!
Sie schaut in den Hof hinunter und sieht dort, neben dem Baum, im Schein des Türlicht's eine Dose serbischen Biers liegen.
Sofort wird ihr bewusst, dass hier irgendwas nicht stimmt, nur was? Wo ist er bloss hin? Schnell zieht sie sich an und läuft nach unten.
Als sie 5 Minuten später neben dem Baum steht und die Dose aufhebt, fällt ihr plötzlich etwas seltsames an der Eingangstür auf: Sie ist schwarz und hat keine Scheiben mehr!
Das ist unmöglich! Die müssen die Tür ersetzt haben weil sie vielleicht kaputt war.  Anders kann sie es sich nicht erklären. Verdammt! Wo ist Milli bloss hin? Er wird doch nicht in das Haus gegangen sein? Was sollte er dort mitten in der Nacht wollen? Sie geht zur Tür und drückt diese vorsichtig, aber sie ist verschlossen.
Ziemlich verwirrt, dreht sie sich um und läuft wieder zurück, als auf einmal ein Geräusch ertönt und Ana sich erschrocken umdreht. Neben der Tür steht eine verwuschelte Katze an der Wand.

„Ach, du blöde Katze, hast mich erschreckt!“ sagt sie und geht hinüber. Sie streichelt sie und wird sogleich mit einem Gurren belohnt. Die Katze schmiegt ihren Kopf an Ana’s Hand, wie Katzen das halt so tun.
Als sich Ana wieder erhebt, schweift ihr Blick über die Türklingeln und sie bleibt wie angewurzelt stehen, während es ihr kalt den Rücken hinab läuft.
Auf der untersten Klingel steht ein Name, da steht: Milli!
Ohne lange zu überlegen, weil sie sonst den Mut verloren hätte, handelt sie instinktiv und drückt die Klingel. Ein Klicken ertönt und die schwarze Tür öffnet sich langsam und geschmeidig. Dahinter ist es dunkel.
Immer noch mit der Bierdose in der Hand, läuft Ana durch die Tür und verschwindet dahinter.
Langsam schliesst sich diese wieder und nur noch der Baum und eine Katze im Mondschein bleiben übrig.



Ende Teil 2


Donnerstag, 23. Juni 2011

Doors (Teil 2 / Kapitel 6: Endstation, Bus Nr.66)


Kapitel 6: Endstation Bus Nr.66

Ich schaue mir dieses zylindrische Gebilde an und sehe, dass es eine öffentliche Toilette ist! Kennt ihr diese runden Toiletten die es damals gab? Man steckt einen Franken rein und die Tür geht auf. Drinnen ist eine Digitalanzeige an der Wand welche 10 Minuten runterzählt. Nach diesen 10 Minuten sollte man sein Geschäft verrichtet haben, weil dann einfach die Tür wieder aufgeht und man hinaus gehen muss. Danach schliesst sich die Tür und die Toilette wird automatisch gereinigt.
Genau vor so einem Ding stehe ich, oder besser gesagt: steht Dan gerade und versucht zitternd den Franken im Schlitz zu versenken.
Ich bin also immer noch in Dan und erlebe anscheinend irgendwelche Erinnerungen aus seiner Drogenzeit mit. Doch diesmal ist es anders als vorher. Erstens bin ich nicht mehr durch eine dieser Türen gegangen sondern anscheinend in das Bild hineingefallen, welches er gemalt hat.
Ausserdem habe ich das Gefühl, dass je länger ich in ihm bin, desto mehr verbinden sich unsere Seelen und Gedanken! Ich kann kaum noch unterscheiden, welche Gedanken und welche Gefühle, die Meine und welches die Seinen sind. Es ist als ob wir verschmelzen. Als ob ich immer mehr zu Dan werde und mein eigenes Sein zu vergessen scheine.
Gerade merke ich, wie labil und geschwächt er ist und nutze den Augenblick um zu versuchen ein wenig Kontrolle zu übernehmen. Ich kann zwar immer noch nicht seinen (meinen?) Körper steuern, aber ich setzte ihm einen Gedanken in den Kopf. Ich möchte wissen wo wir sind und konzentriere mich darauf, dass er sich umschaut.
Überraschenderweise klappt das sofort und Dan schaut sich um. Ich erkenne den Ort! Hier war ich schon mal. Wir sind unter einem Viadukt in Zürich. Da sind mehrere Bushaltestellen mit vielen Menschen und in der Mitte diese automatische Toilette.
Dann übernimmt Dan wieder die Kontrolle und steckt endlich den Franken in den Schlitz. Die Tür geht auf.
Dieses Gefühl des Verschmelzens wird immer stärker und ich ergebe mich demselben.
Eine im Geiste fliessende Symbiose unserer Ich’s entsteht und ich merke, dass ich nicht mehr unterscheiden kann wer ich bin und wer er ist. Es gibt plötzlich keinen Milli und keinen Dan mehr, es gibt nur noch eine Person, es gibt nur noch dieses arme Geschöpf, dass sich unter unerträglichen Entzugserscheinungen in die Toilette schleppt.

Die Tür schliesst sich hinter mir und eine Digitalanzeige geht über mir an. Ich habe 10 Minuten Zeit. Mir ist schlecht, doch ich halte das erbrechen wollende zurück. Die Krämpfe in Beinen und Rücken überhöre ich, weil das Ziehen und Reissen, das Verlangen in meinem Kopf um ein vielfaches stärker und schmerzhafter ist. Es gibt nichts was ich in diesem Moment nicht tun würde um zu meinem Schuss zu kommen!

Wenn man Abhängig ist, ist es als ob Zwei Menschen in einem sind. Wie ein gespaltene Persönlichkeit. Die Eine weiss genau was falsch läuft und versucht die andere daran zu hindern. Doch die andere ist stärker und tut mit vollem Bewusstsein, dass was sie eigentlich nicht tun will, nämlich das falsche.

Ich nehme zitternd die Utensilien aus meiner Tasche. Ein geschwärzter Löffel, eine Spritze und mehrere Nadeln in verschiedenen Grössen, da ich weiss, dass ich es nicht mit der ersten schaffen werde. Aus einem kleinen Säckchen schütte ich Heroin in den Löffel, danach die Askorbinsäure, weil Heroin nicht wasserlöslich ist ausser in Verbindung mit Säure. Ich nehme mir nicht die Zeit sauberes Wasser aus dem Hahnen zu besorgen, sondern tauche die Spritze in das Klo, ziehe Wasser auf und lasse dieses in den Löffel fliessen. Die Uhr steht jetzt auf 8 Minuten!
Mit einem Feuerzeug erhitze ich die Unterseite des Löffels bis sich der Stoff mit der Säure verbindet und anfängt zu kochen. Dabei steigt ein wundervoller Duft, den ich dennoch so sehr hasse in meine Nase. Ich rühre mit dem abgerissenen Filter einer Zigarette die Sauce um und mein verzerrtes Gesicht spiegelt sich in der braunen Suppe wieder.
Dann drücke ich die Spritze in den Filter und ziehe das ganze Gebräu gefiltert in die Spritze, damit sich danach keine Feststoffe in meiner Blutbahn festsetzen. Ich kann kaum noch klar denken als ich die Spritze in die Höhe halte und mit einem Finger die Luftblasen heraus klopfe um zu verhindern, dass Luft in meine Venen kommt und mir womöglich den ersehnten Tod bringt. Zu guter letzt setze ich die erste Nadel auf die Spritze (Durchmesser 0.5mm/Länge 10mm).

Ich überlege mir, bei welchem Arm ich mein Glück versuchen soll. „Ene mene muh und raus bist du!“ Ich binde den linken Arm mit meinem Gürtel ab, klopfe mit der flachen Hand darauf und warte.
Die Uhr steht nun auf 6 Minuten!
Auf dem Unterarm erscheint eine Vene, doch ich weiss, dass die meisten unbrauchbar sind und bin mir nicht sicher ob dies so eine ist. Ich hätte mir vielleicht so was wie einen Venen-Plan machen sollen, in dem ich eintrage welche Vene noch funktioniert und welche nicht. Aber wer denkt in solchen Zeiten schon an so was.
Ich setzte die Nadel an und spüre wie sie schmerzhaft mein Fleisch durchdringt. Doch die Krämpfe im Rücken übertönen den schmerz des Fleisches. Als ich glaube drin zu sein, ziehe ich die Spritze zurück und ein wenig Blut fliesst hinein. Ich glaube die Vene getroffen zu haben und drücke die Spritze durch. Im gleichen Moment spüre ich wie ich neben die Vene spritze weil sie verstopft ist und bevor mich der Schmerz eines bevorstehenden Abszesses ereilt ziehe ich fluchend die Nadel aus der Wunde. Blut läuft in Rinnsalen den Arm hinunter, tropft auf die Ablage und färbt den Löffel darauf rot.
4 Minuten noch!
Jetzt werde ich hektisch, versuche eine weitere Vene, doch auch diese ist defekt. Mit jedem Versuch werde ich nervöser und hektischer. Je öfter ich daneben steche, desto unfähiger werde ich, ruhig zu handeln und desto weniger klappt es. Mein ganzer Arm ist mittlerweile von Blutflüssen überseht. Dann passiert das was immer passiert wenn man zu lange wartet! Das Blut in der Spritze gerinnt, die Nadel verstopft und der Stoff ist nicht mehr spritzbar! Ich schmeisse die Nadel in die Ecke und schreie laut auf!
3 Minuten noch....
Schnell mache ich eine neue Brühe. Schmeisse den ganzen Stoff den ich noch habe hinein, Askorbin, Feuer, Filter. Dabei schreie ich meinen Kummer in mich hinein. Druck entsteht hinter meinen Augen, als schon die ersten Tränen sich daraus befreien und von den Liedern ablösen.
Ein Tropfen salzhaltiger Träne segelt durch die Luft, landet plätschernd auf der Ablage und vermischt sich mit dem Blut. Eine Zweite Träne löst sich aus meinen Augen und beendet ihren Flug im Löffel. Genau in diesem Moment ziehe ich die Heroinsauce mitsamt der Träne in die Spritze und setzte die Zweite Nadel (Durchmesser: 0.6mm/ Länge: 15mm) darauf.
Die Uhr steht jetzt auf 1 Minute.
Diesmal nehme ich den rechten Arm. Versuche unter Tränen und im blute stehend mein Glück. Ich treffe! Doch das Blut welches in die Nadel strömt hat eine hellere Farbe als sonst! Ich weiss was das bedeutet, drücke aber dennoch auf die Spritze! Unendlicher Schmerz überfällt mich, als ob meine Venen explodieren und die Spritze schiesst wie eine Pistolenkugel aus der vermeintlichen Vene an die Wand! Ich hab getroffen, aber keine Vene, sondern eine Ader! In eine Ader kann man nicht spritzen, weil das Blut darin mit zu grossem Druck aus dem Herzen kommt.
Schreiend und zitternd hebe ich die Spritze auf, als auf einmal die Tür aufgeht und eine Mutter mit ihrem Kind vor mir steht.

Ich stehe da, beide arme wie eine Landkarte mit blutigen Strassen darauf. In der linken Hand die noch tropfende Spritze, der Rotz läuft mir aus der Nase und meine Augen verweint.
Die Mutter und ihre schätzungsweise 5 jährige Tochter mir gegenüber, mit offenem Mund.

„Du dämliche Frau, nimm das Kind weg und steh nicht so doof rum. Lass deine Tochter so was nicht sehen!“ Denke ich in mich hinein, während ich mich vor mir selber ekle!
Dann kommt mir ein weiterer Gedanke als ich dem kleinen Mädchen in die Augen schaue:

„Komm, kleines Mädchen, tritt ein! Komm in meine Hölle und schau dir alles genau an. Rieche den Kupfergeschmack meines Blutes, spüre meine Qualen, siehe in die Hölle dieses Lebens. Vergiess dieses Bild nie! Es soll sich auf ewig in dein kleines Gehirn einbrennen, damit du weisst welchen Weg du niemals beschreiten sollst, welchen Weg du niemals auch nur kreuzen darfst! Denn es gibt nur eine Hölle in diesem Universum und sie ist hier drin, hier drin bei mir....in mir! Komm herein in meine Welt, kleines Mädchen schau es dir an und dann renne...renne so schnell du kannst in die andere Richtung!“

Dann endlich reagiert die Mutter! Sie schnappt sich ihr Kind und geht weg! Ich gehe aus der Toilette, lasse mein Geschirr darin, nehme nur die Spritze mit und die Tür schliesst sich hinter mir.
Ich setze mich neben die Toilette, welche gerade anfängt sich selbst zu reinigen und versuche mitten auf der Bushaltestelle ein weiteres mal mein Venen-Glück, während mich an die 30 Leute verabscheut anstarren.

Ich weiss genau was all die Leute gerade denken, denn auch ich stand mal da und wartete auf einen Bus. Auch ich habe hinabgeschaut auf den Abschaum der Menschheit und habe geglaubt, dass mir so was nie passieren könnte. Auch ich dachte, dass diese Geschöpfe charakterschwach sind und deshalb in diesen Sumpf geraten sind. Dachte mir, dass ich mir nie und nimmer selbst eine Spritze geben könnte, dass ich niemals Drogen nehmen würde. Doch das ist ein Irrglaube! Es kann jeden treffen! Es hat nichts mit Charakter oder Intelligenz zu tun. Mit der richtigen bzw. falschen Kombination an Geschehnissen, Erlebnissen, Lebensverläufen, gepaart mit Zufall und pubertärer Naivität kann es jeden treffen.
So höret meine Gedanken, denn auch ich stand mal dort wo ihr jetzt steht.
Auch ich wartete auf einen Bus, doch ich stieg in den falschen ein und nun bin ich an der Endstation angekommen.

Auf einmal kommt ein älterer Mann zu mir herüber. Im Gegensatz zu den anderen Leuten, sehe ich keinen Ekel in seinen Augen, sondern...Verständnis?!
Er bleibt vor mir stehen, während ich immer noch verzweifelt versuche eine Vene zu finden. Er schaut mich an und was er dann sagt, hat sich für immer in mein Gehirn eingebrannt. Vielleicht nur deshalb weil die Worte so einfach, banal, so unspektakulär waren, aber dennoch so direkt und ehrlich gemeint, wie es noch nie jemand zu mir sagte. Er sagt nur:

„Ist ziemlich scheisse das ganze, stimmt's? Aber du bist jetzt am „Ziel“ angekommen. Du bist jetzt ganz unten! Es kann nur noch aufwärts gehen oder es ist schneller vorbei als du denkst! Das ist die Endstation, steig aus oder geh unter. Entscheide dich! Ich wünsch dir von Herzen viel Glück!“

Genau in diesem Moment treffe ich die Vene  und die Welt um mich herum wird schwarz.

Als Dan bewusstlos wird, werde ich langsam aus seinem Körper...aus seinem Geist gezogen und ich merke plötzlich dass ich wieder ich bin. Ich schwebe nach oben und sehe die Bushaltestelle, sehe die schockierten Leute, sehe die Toilette.
Dann zerfliesst dieses Bild auf einmal vor meinen Augen. Die Farben vermischen sich und fliessen zusammen. Alles wird undeutlich und verschwommen. Ein Kaleidoskop sondergleichen eröffnet sich mir und ich spüre wie mein Geist, wie in einem Computerspiel, in Millionen von Pixeln auseinander gerissen  und blitzartig wieder zusammengesetzt wird. Dann schwebe ich wieder in dieser dickflüssigen Masse und vor mir sehe ich eine einzige Tür! Eine robuste schwarze Tür. Auf einmal wird ein Name darauf sichtbar, es ist mein Name: Nenad!
Sie öffnet sich und ich schwebe hindurch. Sie schliesst sich hinter mir und ich stehe in einem dunklem Raum! Ich sehe nur noch eine Farbe, nämlich keine, ich sehe: „Keine Farbe Schwarz!“

Sonntag, 19. Juni 2011

Doors (Teil 2 / Kapitel 5: Shadow City)

Kapitel 5:  Shadow City

Ich bin immer noch in diesem Jungen namens Dan gefangen. Aber er ist kein Kind mehr, er ist jetzt ein junger Mann. Ich spüre, dass es ihm nicht gut geht. Da ist so ein Ziehen und Verlangen in seinem Kopf. Ein Reissen und Zerren im Geiste. Ich tauche tiefer in seine Gedanken ein und erfahre, dass er Drogenabhängig ist! Oje, er ist doch kein Architekt geworden, er ist ein Junkie!
Vor 2 Monaten hat er das Methadonprogramm angefangen, welches ihm den körperlichen Entzug nimmt, damit er sein Leben wieder in den Griff bekommt. Doch das Methadon, nimmt ihm das seelische Verlangen nach der Droge nicht aus dem Kopf. Das ist etwas, dass kann nur er selber schaffen.
Er sitzt gerade bei einer Psychologin, weil seine Freundin darauf bestanden hatte, dass er dorthin geht. Diese Möchtegern Dr. Freud ist nicht viel älter als er und sitzt ihm gerade gegenüber. Sie schaut ihn an und man sieht das Mitleid in ihren Augen. Das interessante ist, dass Dan auch Mitleid mit dieser Frau verspürt. Die arme hat gerade ihr Psychologiestudium beendet und Dan ist einer ihrer ersten Patienten. Sie ist naiv und hat nicht wirklich Ahnung vom Leben. Sie hat auch keine Erfahrungen mit Drogensüchtigen und geht deshalb Punkt für Punkt ihr Lehrbuch durch.
Diese  Frau, hat ihr wissen aus Büchern aber keine Lebenserfahrung. Denn das beste Psychologiestudium, ist das Leben selbst. Es ist also gut möglich, dass Dan eher dieser Frau helfen könnte, als sie ihm.

Sie hat den Raum sehr angenehm eingerichtet. Farbige Tücher an den Wänden, Duftlampen, Kerzen, Bilder und diese bequemen Sessel, bei denen  man wie in eine Wolke hinabsinkt wenn man sich setzt.
Auf ein neues startet sie einen Versuch und fragt ihn: „Dan, wann hat es angefangen, wie alt warst du da?“

Ich spüre, dass Dan dies ganz schnell hinter sich bringen möchte. Danach wird er beim rausgehen, ihr Portemonnaie, welches er gesehen hat, aus der Jackentasche im Gang stehlen und sich mit dem Geld etwas Stoff besorgen. Aber bis dahin, muss er ihre Fragen beantworten.

„Mit 14! Da hatte ich das erste mal Heroin?“ antwortet er endlich.
„Und wie war es? Was hast du gespürt“ fragt sie.
„Wie es war? Unerwartet! Nicht so wie ich es mir vorgestellt habe. Es war eigentlich gar nichts! Ich habe nichts gespürt! Kein Schwindel, kein Erbrechen, keine rosa Elefanten die an mir vorbei flogen, kein Abdriften in ferne Welten, nichts! Nada! Und das beste, ich war nicht mal süchtig, obwohl alle immer sagen, dass man da sofort süchtig wird“

„Und ab wann warst du dann süchtig?“

„Das ist ne blöde Frage Frau Doktor! Da gibt es keinen genauen Zeitpunkt, das ist sehr schwammig. Ich sags mal so: Im Nachhinein weiss ich, dass die Sucht ein Schatten war der ab diesem Zeitpunkt oder schon früher über mir schwebte und darauf wartete meinen Geist einzureissen, ihn zu verschlingen. Und er hatte Geduld und alle Zeit eines Menschenlebens! Und bevor ich mich versah, war ich mittendrin!“

„Erzähl mir davon, erzähl mir wie es war als du mittendrin warst“ sagt sie.

Ich spüre, dass Dan nun genervt ist! Sie will von seinen Schatten hören? Na gut, dann wird er ihr eine Geschichte erzählen. Er wird ihr erzählen wie es damals war. Ihr von etwas erzählen, was die wenigsten Menschen jemals gesehen haben. Vielleicht lernt sie etwas daraus?!

„Na gut, wenn sie unbedingt wollen, dann erzähl ich ihnen von meinem Schatten. Sind sie sicher, dass sie es hören möchten?“

„Natürlich“ Antwortet sie verständnisvoll aber nichts wissend.

Danen nimmt noch einen Schluck Tee, schliesst seine Augen und erzählt wie es damals war. Er erzählt es so, als ob es gerade geschieht, als ob er gerade dort währe:

Es ist noch früh am Morgen, draussen besingen die Vögel fröhlich mein Leben und die Morgensonne spieglnd im Tau blendet meine Augen. Ich bin mal wieder „Schneeblind“! So eile ich zitternd und mit Schmerzen in den Gliedern über die Brücke! Drüben auf der Insel singen die Vögel plötzlich nicht mehr. Als ob sie wüssten, dass die Insel nicht vom Leben und Sonnenschein sondern vom Tod geprägt wird.
Schon auf der Brücke werde ich von den Libanesen angesprochen, aber die wollen mich nur ausnehmen! Eilig und voller Ungeduld schreite ich voran. Ein wundervoller Platz diese Insel im Frühling, mit einem Pavillon darauf, dessen Spitze in der Morgensonne wie das Ende einer tropfenden Nadel aussieht.
Obwohl es noch früh ist, sehe ich an die 300 Leute umherstreifen, bis zum Mittag werden es an die 800 sein!
Im Umkreis von 100 Metern um den Pavillon herum wimmelt es von Leuten. Sie kaufen, sie verkaufen, sie linken, sie drohen, sie weinen und sie stinken nach Tod. „Heroin, Cocain, Rohibnol, Ketamin, wer braucht wer hat noch nicht“ „Sucht jemand ein Rennvelo, Hifi Anlage, Schreibtisch oder Kücheneinrichtung?“
„Alles innerhalb von Minuten lieferbar“ „CDs, Zigaretten, Sex, echte Schweizer Reisepässe, Schusswaffen oder lieber ein Messer?“
Wer sucht der findet. Hunderte von Leuten schreien durcheinander. Ein Treiben wie an der Börse.
Rund um diese Leute und im ganzen Park verteilen, selbst gebaute Tische, aus Kartonschachteln Einkaufswagen und Holzbrettern.
Tische mit Kerzen, Löffeln, Nadeln, Ascorbin-Lösungen und ab und an auch was zu Essen darauf. Davor stehen Kunden die zahlen, damit sie sich ihren Schuss an so einem Tisch vorbereiten können. Bezahlt wird natürlich am liebsten mit gestreckten Drogen.
Neben den Tischen, zwischen den Bäumen im ganzen Park verteilt, Leute die Kotzen, schlafen, oder sich den Schuss ohne den Komfort eines Tisches geben. Die Leute scheinen einem Zombiefilm entsprungen zu sein, voller Blut und anderen Körperflüssigkeiten.
Dort versucht gerade ein kleines Mädchen die Vene zu finden, das Blut läuft ihr die Arme herab und ihr Freund oder Zuhälter versucht verzweifelt ihr zu helfen.
Da drüben Spritzt einer unter die Zunge, ein anderer in die offene eitrige Wunde an seinem Ellenbogen. Zwei weitere Zombies helfen sich dabei, die Halsschlagader zu treffen, damit der Schuss nicht zum sofortigen Hirntod führt.
Plötzlich werde ich von zwei Sanitätern fast umgerannt, welche in etwa 1 Minute alles geben werden um das Mädchen von vorhin, mit den blutenden Armen, wiederzubeleben. Sie hat die Vene also doch noch getroffen...
Man könnte meinen, dass so eine Wiederbelebung viele Schaulustige anlockt. Weit gefehlt, die meisten schauen gar nicht hin. Ein paar wenige stehen um die Sanitärer herum und suchen den Boden nach verloren gegangenen Drogen ab, während das Mädchen oder besser gesagt die Sanitäter um ihr Leben kämpfen.
Keine halbe Stunde später wird dasselbe Kind sich wieder in die Schlange neben dem Spritzenkiosk stellen um ihr nächstes sauberes Geschirr für den nächsten unsauberen Schuss abzuholen.

Die Vögel singen hier nicht, weil die Schatten sie davon abhalten. Selbst Frau Dr. Freud schweigt jetzt.

Ich steuere also den nächst besten Tisch an um endlich das ziehen und treiben in Magen und Kopf weg zu bekommen. Hinter dem Tisch ein Pärchen eng umschlungen bleich und zitternd, der Tag der lebenden Toten.
Voller Ungeduld mache ich meinen Schuss klar und gebe den zwei Zombies vor mir etwas ab. Ihre dankenden Augen werde ich in meinen Albträumen wieder sehen.
Nun schnell, abbinden, Vene finden, scheisse ja! Vene finden war schon ziemlich schwer, aber nie würde ich es in den Hals machen, eher würde ich sterben!
Nach 4 versuchen rechts und 2 versuchen link klappt es dann doch noch!
Das Blut fliesst in die Nadel wie die Morgenröte in meinen Augen. Dies ist fast noch schöner als der Schuss selbst, ich ziehe immer wieder Blut in die Nadel und zurück. Spüre die Wärme des Schattens, die Kraft des Todes über das Leben.
Dann ist alles drin........... mein Körper kribbelt er ist auf 1000, das Cocain wirkt! Die Schmerzen weg, keine rosa Elefanten, immer noch nicht! Dann ein unendliches Wohlgefühl vom Heroin, dass ebenfalls im Cocktail war, geborgen wie in Mutters Bauch.

„Nimm den schönsten Orgasmus den du je hattest, multipliziere ihn mit 1000 und du bist noch nicht mal nah dran!“

Dieser Spruch stimmt natürlich nicht wirklich, aber die Richtung stimmt. Sagen wir ein irrer Orgasmus aber ohne den sexuellen Part!
Schlussendlich, kann man so was nicht beschreiben, Unmöglich! Das ist wie wenn du versuchst jemanden einen Orgasmus zu beschreiben, der noch nie einen hatte. Egal was du sagst er wird es sich ganz anders vorstellen, als es dann in Wirklichkeit ist.

Natürlich war es gewaltig schön....... manchmal fast eine ganze Minute lang und dann...... ja dann ist fertig und das Gehirn denkt schon daran wie es das Geld (ca.400.-Fr/Tag) für den nächsten „Orgasmus“ herholt.

Während ich also da sitze und versuche das gerade verabreichte länger als 10 Minuten zu geniessen ohne weiter zu denken, schweift mein Blick über die Insel ans „Festland“ keine 100 Meter von mir. Dort spaziert gerade eine Frau mit dem Kinderwagen vorbei, da drüben eine Familie beim Sonntagsausflug und gleich daneben ein Polizist der gerade einen Falschparker aufschreibt.
Der Polizist schaut nicht mal rüber! Obwohl hier gerade Kiloweise Drogen und Waffen ihren Besitzer wechseln. Obwohl hier Leute sterben oder andere ausnutzen und bedrohen. Er würdigt uns keines Blickes! Wieso auch, er hat die Weisung auf dem Platz hier nicht einzugreifen, egal was er sieht.(ausser Mord vielleicht)
So hat man uns unter Kontrolle, bis eine Lösung gefunden wird „lassen wir die Zombies mal machen, vielleicht sind sie ja eines Tages einfach weg, vom Schatten verschluckt.“
Eine völlig überforderte Regierung, die keine Ahnung hatte was sie jetzt tun sollte! Es wird noch ein paar Jahre dauern, bis man sich entscheidet, diesen Platz zu räumen und uns alle in der Stadt zu verteilen, damit man uns nicht mehr sieht. Es wird noch eine Weile dauern bis die Razzien und Verfolgungs- jagten mit der Polizei losgehen, bis dahin.....

Willkommen auf dem Zürcher Platzspitz, Shadow- City!
Weltbekannt, einzigartig und ein Pilgerort für Junkies aus aller Welt!

Ich setze mich ins Gras irgendwo zwischen dem ganzen Abfall und Spritzen die hier rum liegen und überlege wie mir das nur passieren konnte?!
Ich erinnere mich an den Tag als ich zu Gott gebete habe er möge dies beenden, auf die eine oder andere Weise. Ich betete auch zum Teufel, sicher ist sicher!

Und meine Gebete wurden erhört, von beiden! Denn ich blieb am Leben und war dennoch tot!

„Und Frau Doktor? Denken sie ich habe vielleicht ein kleines Drogenproblem?“ Sagt Dan zynisch zu seiner bleich gewordenen Psychologin.

Als sie ihre Fassung wieder erlangt hat,  fragt sie ihn: „War das wirklich so extrem?“

„Sie denken ich übertreibe? Nein!! Ganz im Gegenteil, ich finde gar nicht die Worte so was zu Beschreiben, es war in Wirklichkeit noch extremer!!“
„Was tun wir jetzt Frau Doktor?“

„Nenn mich nicht Frau Doktor, das hab ich dir doch schon mal gesagt, mein Name ist Susi“
„Ok, Susi, was tun wir jetzt?“ antwortet Dan schnippisch.

Sichtlich verwirrt, geht sie nun die nächste Seite ihres Lehrbuchs im Kopf durch. Sie nimmt ein Blatt und Stifte hervor und sagt:
„Dan, ich möchte, dass du an das schlimmste oder besser gesagt, an das prägenste Ereignis aus dieser Zeit denkst und ein Bild davon malst“

Was? Ein Bild? Haha....ich spüre wie Dan sich gerade zusammenreisst um nicht laut los zu lachen. Ein Gedanke, den ich zugleich sehr lustig und traurig finde, fliegt an mir vorbei:
„Oh, ich soll ein Bild malen? Vielleicht ein Haus Frau Lehrerein? Ja, Häuser kann ich gut malen, mein Vater sagt, ich werde mal Architekt“

Widerwillig nimmt Dan das Blatt und fängt an zu malen. Zuerst eine gelbe Sonne oben Rechts. Die ist Pflicht. Dann malt er etwas das wie ein Bus aussieht links aufs Blatt. Rechts vom Bus malt er ein rundes Zylindrisches Gebilde, mit einer Tür darin. Neben der Tür einen Schlitz und darüber schreibt er „1.-Fr“.

Als er fertig ist schaut er sich das Bild nochmals an und auf einmal spüre ich wie es wieder losgeht:
An meinem Geist wird gezogen, er entreisst sich aus Dan’s Gehirn und dabei höre ich ein Geräusch als ob ein Blatt verrissen wird. Ich falle durch Dan’s Augen hindurch dem Bild entgegen. Als mein Geist das Bild berührt spüre ich etwas wie eine Ohrfeige im Gesicht als ich hindurch falle und auf der anderen Seite erwache:

Drüben stehe ich vor einem kleinen rund-zylindrischem Gebilde mit einer Tür darin. Unerträgliche Krämpfe und Schmerzen überkommen mich, während ich zitternd versuche ein Geldstück in den Schlitz neben der Tür zu stecken.